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Verkehrte Welt: Positive US-Arbeitsmarktdaten schicken Börsen auf Talfahrt

Dass die Notenbanken seit der Finanzkrise von 2008/2009 zum größten und wichtigsten Marktteilnehmer mutiert sind und seither regelmäßig die Richtung an den Börsen weltweit bestimmen hört und liest man häuft. Zinsentscheide hier, das Drucken frischen Geldes und der Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen dort – diese Begriffe gehören inzwischen zum Alltag eines jeden Börsianers. Doch selten hat sich der Einfluss der Notenbanken und die hieraus resultierende, völlig kontroverse Entwicklung klarer gezeigt, als am vergangenen Freitag. Doch fangen wir etwas weiter vorne an:Seit Wochen gibt es Gerüchte, die US-Notenbank FED würde schon bald die seit Jahren ansteigen Leitzinsen wieder absenken, weil die Robustheit der Konjunktur unter Themen wie dem Handelskrieg leide und man dieser Schwäche notenbankseitig Rechnung tragen müsse. Man könnte meinen, die Aufwärtsbewegung in den US-Aktienmärkten der letzten anderthalb Monate wäre nur eine Spekulation auf schon bald wieder sinkende Zinsen im US-Dollar-Raum gewesen. Ein Absenken der Zinsen hätte unterschiedliche, aber im Ergebnis ähnlich gelagerte Folgen: Die Schwächung des US-Dollar wäre ein Faktor zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Exporteure, was höhere Unternehmensgewinne bedeutet. Außerdem verlieren die Anleihenmärkte als Alternative zum Aktienmarkt aufgrund fallender Renditen an Bedeutung. Beides sind also die Aktienmärkte beflügelnde Effekte.

Dass der Markt künftige Zinserhöhungen bereits eingepreist hast – sprich dass Marktteilnehmer in Erwartung fallender Zinsen Aktien gekauft haben – war am Freitag deutlich zu sehen. Der Arbeitsmarktbericht der USA fiel deutlich besser aus, als die Konsensschätzung erwartet hatte. Die normale Reaktion wäre ein kurzzeitiges Kursfeuerwerk gewesen, denn die positive Meldung ist am Ende ein Zeichen dafür, dass die Konjunktur besser läuft, als viele Meinungen es derzeit berichten. Doch was ist passiert? Die Märkte sind gefallen. Warum? Der Erwartung zufolge galt die Konjunktur als so schwach, dass bald Zinssenkungen folgen würden. Marktteilnehmer haben auf fallende Zinsen spekuliert und Aktien gekauft – Ergebnis: steigende Kurse. Doch nun offenbarte sich die Wirtschaft robuster als gedacht, was im Umkehrschluss sinkende Zinsen unwahrscheinlicher macht und den auf sinkende Zinsen spekulierenden Marktteilnehmern vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Was jedoch besonders bedenklich ist, ist die Überlegung, dass Spekulationen auf künftige Notenbankentscheidungen den Markt stärker bewegen, als die tatsächliche, die Erwartungen übertreffende positive Entwicklung der US-Wirtschaft. Die Notenbanken haben die Märkte fest im Griff – soviel kann man zusammenfassend festhalten. Sollte die für die nächste Notenbanksitzung erwartete Zinssenkung ausbleiben, dann kann man sich schon heute auf fallende Aktienkurse gefasst machen.

Nachdem die letzte Woche aufgrund der anderthalb börsenfreien Tage in Amerika eher ruhig war, bestimmen in der neuen Wochen wieder die Notenbanken das Geschehen. US-Notenbankchef Powell tritt gleich mehrfach an die Mikrofone. Außerdem steht am Mittwochabend die Veröffentlichung des FED-Protokolls an. Am Donnerstag folgt die EZB mit ihrem Notenbankprotokoll. Am Freitag, kurz vor dem Wochenende, folgt schließlich noch der geldpolitische Bericht der FED. Hier wird erneut zu beobachten sein, dass Entwicklungen, die nicht den bisherigen Markterwartungen entsprechen, zu Marktbewegungen führen werden.

Informationen bereitgestellt von ATT-Trading

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