Put-Strategien

Investieren mit Hilfe der „Griechen“ sinnvoll? 

In meinem Börsenlexikon lernst du, dass dir die „Griechen“ im Optionshandel gute Dienste erweisen können, wenn du weißt worauf du achten musst. Dies ist vor allem für Optionshändler interessant, die mehr traden als Investieren. Für die Wheel-Strategie macht ein Blick auf die Griechen nur bedingt Sinn. Warum das so ist, werde ich im nachfolgenden Text beschreiben. 

 

 Was sagen dir die Griechen?

Die griechischen Kennzahlen geben dir eine Idee davon, wie sich der Optionspreis verändert, wenn sich gewisse andere Faktoren ändern. Diese Faktoren sind der Aktienpreis, die Volatilität des Marktes und damit die Volatilität der Aktie und die Restlaufzeit. Wenn du mehr dazu wissen willst, sieh dir im Börsenlexikon diesen und die darauf folgenden Texte an. 

 

Wenn Du mit der Information des Deltas tradest, könntest du folgendes Beispiel haben, welches man an der Börse immer und immer wieder sieht: 

 

Du verkaufst einen Put beim Ausübungspreis 50. Das Delta dieses Ausübungspreises gibt an, dass du eine 90% Chance hast die Option wertlos verfallen lassen zu können. Der Preis sollte in 90 Prozent der Fälle während deiner Laufzeit nicht erreicht werden. 

 

Griechen können aber natürlich nicht in die Zukunft sehen, und somit keine kurzfristigen Volatilitäten abdecken. In diesem Beispiel könnte der Basiswert um einige Punkte in sehr kurzer Zeit fallen. Da sich die Griechen ständig anpassen, könnte dein Delta jetzt weit schlechter aussehen, noch am selben Tag, an dem du die Option verkauft hast. Plötzlich stehst du mit einer 40% Chance dar, dass dein Ausübungspreis nicht mehr erreicht wird. 

 

Investoren können gut schlafen, weil viele von Ihnen tatsächlich die Griechen nicht in ihren Entscheidungsprozess mit einbeziehen. Für sie ist das Unternehmen und der Aktienpreis weit wichtiger. 

 

Sind Die Griechen für Investoren also wichtig? 

Für mich und andere Investoren stellen die Griechen eine Information dar, die wir zwar beachten können, aber nicht von großer Bedeutung ist. Zumindest nicht im Investmentansatz. In einigen kurzfristigen Handelsstrategien machen sie durchaus Sinn, aber in der Wheel-Strategie haben sie kaum einen Platz für mich. 

 

Wie wähle ich stattdessen meinen Ausübungspreis? 

Bevor ich überhaupt einen Ausübungspreis suche, muss ich wissen was ich überhaupt handeln will. Ich handle nur Aktien, an die ich langfristig glaube. Die aktuellen Bewertungen müssen mir auch gefallen, aber darum geht es hier gerade nicht, weshalb ich im nachfolgenden Chart einfach eine beliebige Aktie aus dem DAX gewählt habe. 

 

Wenn ich weiß welche Aktie ich handeln möchte, sehe ich mir den Chart an, und prüfe ob es eindeutige Unterstützungs-Linien gibt oder nicht. Dies ist der Chart der Deutschen Telekom über 1 Jahr. Eine Kerze weist einen Zeitraum von einem Tag auf.

 

Würde ich diese Aktie handeln wollen, würde ich mich für meinen Ausübungspreis an der unteren horizontalen Linie orientieren. Man sieht hier schön, dass der Kurs auf der linken Seite des Charts von unten kommt. Die horizontale Linie könnte ein Widerstand aus der Vergangenheit sein. Um mehr zu wissen, müsste man einfach weiter hinaus zoomen und sich einen längeren Zeitraum ansehen. Diese Zone wurde dann noch einmal durchbrochen, der Kurs hat aber schlussendlich wieder nach oben gedreht. In der näheren Vergangenheit sieht man, dass der Kurs einige Mal diese Unterstützung angetestet, aber es nicht geschafft hat sie zu durchbrechen.

Spielt hier das Delta eine Rolle? 

Das Delta spielt für mich in diesem Fall keine Rolle. Je näher der Aktienpreis in Richtung des Ausübungspreises meiner Wahl rückt desto besser. Das Delta beziehungsweise die Wahrscheinlichkeiten würden sich für mich hierbei negativ auswirken, wenn ich darauf achten würde. Die Griechen können den Chart an sich aber nicht betrachten wie ein Mensch. Wenn ich davon ausgehe, dass Unterstützungs-Linien eine gewisse Bedeutung haben, rücken die Griechen für mich in den Hintergrund. 

Die gezeichnete Linie im Chart liegt bei ungefähr 14,60 € und der aktuelle Kurs in etwa bei 15 €. Wenn der Aktienkurs sinkt bekomme ich mehr Prämie für meine Put-Optionen. Natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass die Unterstützung halten wird. Wenn sie bricht, rolle ich aber gerne weiter und versuche mit dem neuen Ausübungspreis auf die nächst geringere Unterstützungs-Linie zu gehen. 

Der Blick auf den Chart bringt mehr als der Blick auf die Griechen

Der Blick auf den Chart anstatt auf die Griechen bringt einen größeren Nutzen für Investoren wie mich, die gerne Puts bei oder unter Unterstützungslinien verkaufen. Griechen werden am besten in sehr kurzen Anlagehorizonten  eingesetzt. Sie haben ihre Berechtigung, aber Investoren wie mir sind diese Zahlen keine große Hilfe im täglichen Geschäft. 

 

Gerade bei Aktien, die nach einem Aufschwung gerne mal wieder abtauchen macht es für mich mehr Sinn den Chart zu studieren, als auf die Griechen zu blicken. Wenn ich den Chart über längere Zeiträume beobachte, sehe ich möglicherweise wo sich gute Support-Zonen befinden. An diesen Zonen oder darunter verkaufe ich sehr gerne meine Puts. 

 

Man kann auf vielen Charts beobachten, dass es nach einem Abschwung bei wichtigen Support-Zonen zu einem Ende oder einer Verlangsamung der Abwärtsbewegung kommt. Beobachte diese Ereignisse und du wirst erkennen, dass es häufig zu einem erneuten Aufschwung von diesen Unterstützungen kommt, oder dass der Kurs zumindest häufig nicht weiter fällt. 

 

Je öfter der Kurs von einer bestimmten Support-Zone wieder gestiegen ist, desto stärker ist diese Zone zu bewerten, und desto lieber schreibe ich da auch meine Puts.

Verstehe das Risiko wenn du Optionen verkaufst um Einkommen zu erzeugen

Wenn ich Optionen verkaufe, verkaufe ich sie oft für kleine Optionsprämien. Wie im Beispiel ganz oben beschrieben besteht das Risiko, dass der Aktienkurs um einige Punkte fällt bis zum Laufzeitende. Egal wie groß die Optionsprämie auch ist: Wenn es zu einem Kurssturz kommt, kostet mich das Schließen der Option ein Vielfaches der erhaltenen Optionsprämie. 

Dies kann häufig passieren. In so einem Fall muss Zeit dafür aufgewendet werden um die Verluste wieder zu Gewinnen zu machen. Durch geschicktes Rollen ist dies Problemlos möglich, aber die Zeit dafür muss aufgewendet werden.  Während der Wiederherstellungsphase gibt es kein Wachstum im Portfolio und keine Verzinsung des Kapitals. 

 

Kapitalerhalt steht vor Profit generieren

Das Kapital vor Verlusten zu schützen steht immer an oberster Stelle. Es ist viel wichtiger seinen Bestand zu schützen als mehr Profit zu generieren. Es braucht viel länger Verluste wieder auszugleichen als Einkommen zu erzeugen. Verlorenes Kapital kann nicht weiter verzinst werden und infolgedessen meinen Account nicht weiter wachsen lassen. 

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