Bärenmärkte und Korrekturen

In einem Markt-Crash weiterhin Put-Optionen verkaufen? 

Gerade in den schweren Zeiten an der Börse trennt sich schlussendlich die Spreu vom Weizen. In Crash-Phasen sieht man wer wirklich seine Hausaufgaben gemacht hat, und wer nicht. Investoren, welche sich schon lange vor dem Crash mit diesen und ähnlichen Szenarien auseinander gesetzt haben, sind im Fall der Fälle darauf vorbereitet. Es ist immens wichtig sich einen Plan zurecht zu legen, wie man reagiert, wenn einmal ein großer Kurssturz auftritt. 

Investoren wie ich, die über Puts und Calls investieren, freuen sich teilweise auf diese Ereignisse. Warum ist das so? Die Optionsprämien explodieren förmlich. In diesen Zeiten kann man sehr gut Geld verdienen, wenn man emotionale Stärke beweist und seinen Plan nicht aus den Augen verliert. 

 

Aus anderen Texten weißt Du bereits, dass ich unter anderem die Wheel-Strategie bevorzuge, eine Optionsstrategie, die es mir erlaubt mit dem Geld anderer Leute (die Optionsprämie) schlussendlich Aktien zu kaufen. Dadurch habe ich einen viel geringeren Durchschnittspreis als ein Investment in Aktien ohne Optionen. Gleichzeitig bin ich weit flexibler, wenn sich etwas mal nicht so entwickelt wie ich es gedacht habe. 

Ändert sich in einem Crash deine Meinung zu deinen Aktien?

In Crash-Phasen merkst Du recht schnell ob du mit deinen Aktien weiterhin investiert bleiben möchtest oder nicht. Wenn du sie nicht haben willst, waren es wohl die falschen Aktien für dich. Du hast dich zu Beginn wohl nicht gut genug mit deinem Investment beschäftigt. Aber nicht weiter schlimm, sieh es als Lektion für das nächste Mal. 

Ich habe zu meinen Unternehmen, deren Aktien ich halte, so großes Vertrauen, dass mir große Kurssprünge nach unten relativ wenig bis keine Emotionen abverlangen. Ein großer Grund dahinter ist aber auch, dass ich weiß wie ich meinen Durchschnittspreis mittels Optionen weiter senken kann. Um das ganze nicht falsch zu verstehen: Es macht einen großen Unterschied ob der Gesamt-Markt meine Aktien hinunter zieht, oder ob sich die Rahmenbedingungen für das Unternehmen derart geändert haben, dass man die Aktien wirklich los werden sollte. 

Wenn du ebenfalls die Wheel-Strategie als Cash-Generierung nutzt, und deine Aktien auch in Crash-Phasen behalten würdest, hast du dir emotional gesehen bereits einen großen Vorteil verschafft. 

Put-Verkauf im Crash

Den Put-Verkauf im Crash kann man ganz grob unterteilen in:

  • Bereits verkaufte Put-Optionen aus der Vergangenheit 
  • Put-Optionen, die man erst im Crash verkauft 

Bereits verkaufte Put-Optionen aus der Vergangenheit 

Die bereits verkauften Put-Optionen nähern sich in der Regel bereits dem Laufzeitende der Option. Natürlich kann es auch passieren, dass einige davon bereits weit im Geld liegen und somit eine Ausübung immer wahrscheinlicher wird. Um einer vorzeitigen Ausübung zu entgehen rolle ich diese Optionen gerne weiter in die Zukunft und wähle geringere Ausübungspreise als zuvor.  Habe ich ursprünglich mehrere Kontrakte verkauft, versuche ich auch die Kontraktanzahl zu reduzieren, um Kapital zu schützen. 

In Crashs ist ein Rollen der Put-Optionen immer möglich. Viele Marktteilnehmer wollen sich absichern, und kaufen wie verrückt Put-Optionen. Die erhöhte Volatilität treibt den Preis der Optionen in die Höhe, ja lässt sie regelrecht explodieren. Für bereits verkaufte Optionen sieht das natürlich nicht schön aus. Man darf aber nicht vergessen, dass uns dieser Effekt beim Rollen der Optionen massiv in die Hände spielt.  

Das Ziel bei offenen Positionen ist also die Reduzierung der Kontrakte, das Verschaffen von Zeit und die Reduzierung des Ausübungspreises und somit des Durchschnittspreises bei Ausübung. Kapital muss geschützt werden. Das “Rollen” kann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern, was aber nicht weiter schlimm ist, da man an anderer Stelle (neue Optionen) weiter Einkommen erzeugen kann. 

Put-Optionen, die erst im Crash verkauft werden

Rollen vorhandener Positionen hat hier auf jeden Fall Vorrang. Ist dies erfolgreich gelungen, kann man sich an neue Put-Optionen wagen. Wie wir wissen schnellen die Optionspreise in die Höhe was den Verkauf von Put-Optionen in dieser Phase extrem lukrativ macht. 

Beachten sollte man dennoch, dass man nicht in ein fallendes Messer greift. Ich achte auf wichtige Unterstützungs-Zonen und verkaufe in diesen Zeiten am besten darunter meine Puts. Wir haben keine Glaskugel und wissen nie wie es an der Börse weiter geht. Aus diesem Grund ist es auch jetzt noch immer sehr wichtig nur in Unternehmen zu investieren, die man versteht und deren Geschäftsmodell mutmaßlich noch einige Jahrzehnte funktionieren wird. 

Natürlich können auch diese Optionen jederzeit wieder gerollt werden wenn etwas schief läuft. Der Sinn hinter den neuen Optionen ist aber nicht diese auch wieder adjustieren zu müssen. Suche dir also am besten gute Einstiege in der Nähe von Untersützungen und warte mit dem Put-Verkauf bis das Abwärtsmomentum etwas nachlässt um bessere Chancen zu haben. Ich will hier mit neuen Put-Optionen weiterhin Geld verdienen, während ich die älteren Positionen beobachte und versuche ins Trockene zu bringen. 

Der Kauf von Put-Optionen vor dem Crash

Eine Möglichkeit den Crash etwas lockerer nehmen zu können ist der Kauf von Put-Optionen. Einige Investoren sichern ihr Portfolio permanent über gekaufte Puts ab. Sie nehmen also den Part des Optionskäufers ein. Das bedeutet, dass sie den Preis für die Option bezahlen. Unnötig zu erwähnen, dass dies auf jeden Fall Performance kostet. 

Ob dies ein gangbarer Weg ist muss jeder Investor für sich entscheiden. Wenn es crasht, haben die Puts natürlich ihren Dienst geleistet, da auch ihr Preis in die Höhe schnellt. Sie können also mit enormen Gewinn wieder verkauft werden. In Anbetracht des Kapitalschutzes macht das in jedem Fall Sinn! 

In Zeiten wo gerade keine großen Kurssprünge nach unten zu erwarten sind kosten diese Puts relativ wenig, da die Volatilität in der Regel eher klein ist. Somit könnte man sich überlegen, diese Risikoreduzierung in Anspruch zu nehmen. 

Der Kauf von Put-Optionen im Crash

Wenn sich der Kurs schon massiv nach unten bewegt hat herrschen große Volatilitäten. Aus diesem Grund ist der Kauf von Put-Optionen in dieser Zeit auch extrem teuer. Klar können gekaufte Puts durchaus weiteres Abwärtspotential abfangen. Ob diese Absicherung nicht zu teuer ist, muss jeder Investor für sich entscheiden. 

Was man aber auf jeden Fall nicht vergessen darf: die Volatilität beruhigt sich nach einem Vola-Anstieg immer. Die Frage ist nur wann das passiert. Als Optionskäufer spielt die Zeit gegen einem. Je näher das Laufzeitende rückt, desto weniger wird die Put-Option wert, solange der Kurs nicht weiter fällt. 

Meine Vorgehensweise

Mein Vorgehen ist eigentlich sehr simpel und immer gleich. Ich verkaufe ganzjährig Put-Optionen auf Aktien, deren Geschäftsmodell mutmaßlich in der Zukunft weiterhin sehr gut funktioniert. Hin und wieder kaufe ich Put-Optionen auf gehandelte Aktien, wenn der Preis sehr gering ist. Ich nutze einen Teil der eingenommen Optionsprämie und kaufe mir damit eine kleine Absicherung. Der gekaufte Put kostet mich niemals mehr als ein paar Cent pro Aktie. Läuft der gekaufte Put also aus, macht das nicht viel in der Gesamtperformance aus. 

In einem richtigen Crash können diese gekauften Put-Optionen natürlich nicht alles retten, sie können mir lediglich bei meinen Roll-Szenarien assistieren. Dies ist mein einziges Ziel dahinter. 

Gibt es große Kurssprünge nach unten (kann auch eine gewöhnliche Korrektur sein) wird Kapital geschützt. Bereits verkaufte Put-Optionen werden zurückgekauft und in die Zukunft gerollt. Wichtig ist mir dabei, die Kontrakte und den Ausübungspreis zu reduzieren. Das Kapital, welches sich gerade im Risiko befindet kann dadurch sehr leicht reduziert werden. 

Sind alle Positionen erfolgreich gerollt halte ich nach guten Gelegenheiten für den erneuten Verkauf von Put-Optionen Ausschau. Kapital welches ich vorher reduziert habe, kann jetzt wieder seine Arbeit tun und dem restlichen Portfolio assistieren. 

Die Wheel-Strategie lässt genug Spielraum für jede erdenkliche Situation. Börse ohne Korrekturen oder Crash wird es auch niemals geben. Je früher du dich mit diesen Situationen auseinandersetzt desto besser für dich und dein Kapital. 

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