Werde ein besserer Investor

Hilfe: Mir wurden Aktien eingebucht. Was kann ich tun?

In diesem Text diskutieren wir das Thema ungewollte Einbuchung von Aktien. Durch den Verkauf von Put-Optionen auf eine beliebige Aktie kann und wird es hin und wieder dazu kommen, dass Aktien einfach eingebucht werden, wenn man sich nicht um die Vermeidung der Ausübung kümmert. Viele Investoren werden nervös wenn sie plötzlich das Aktienpaket in ihrer TraderWorkStation sehen, anstatt den vertrauten Anblick ihrer verkauften Put-Optionen.

Zu aller erst ist es wichtig Puts nur auf Aktien zu verkaufen, die man sich im Ernstfall auch leisten kann beziehungsweise ist es psychologisch von Vorteil die Aktien irgendwann kaufen zu wollen. Wenn Du also Puts auf Aktien verkaufst die du nicht haben willst, dann würde ich Dir raten, dass Du Dich um die Vermeidung einer Ausübung kümmerst.  Psychologie kann ein großer Feind sein, vor allem wenn wir unsere Emotionen nicht im Griff haben. Jemand der auf so etwas emotional reagiert könnte unter Umständen viel Geld verlieren.

Wann werden mir Aktien eingebucht?

Eigentlich kann man diese Frage ganz einfach beantworten: Wenn es sich für den Käufer der Option lohnt diese auszuüben. Kann der Optionskäufer (also der Gegenpart zu dir und deiner verkauften Option) einen Profit generieren indem er die Option ausübt, so ist es durchaus wahrscheinlich, dass dies auch passieren wird. Ein Grund dafür könnte die bestimmte Entwicklung eines Aktienkurses sein. Es kann auch sein, dass ein Optionskäufer seine Anteile vor einem gewissen Ereignis los werden möchte. Die Hintergründe dafür wird man wohl nicht immer feststellen können.

Sobald es rein rechnerisch für den Optionskäufer aber profitabel werden könnte, sollte man eine Ausübung nicht ausschließen. Dazu ein einfaches Beispiel:

Du verkaufst einen Put um 0,50 Euro. Der Ausübungspreis liegt bei 20 Euro. Die wichtige Kurs-Marke von dir und deinem Gegenspieler liegt bei 19,50 Euro. Fällt der Aktienkurs nun unter 19,50 Euro solltest du mit einer Ausübung rechnen. Der Optionskäufer hat 0,50 Euro für den Put bezahlt. Er besitzt aktuell die Aktien und hat vielleicht sogar 20 Euro pro Stück dafür bezahlt. Seine Prämie muss er als vorläufigen Verlust rechnen. Fällt der Kurs jedoch unter 19,50 zahlt sich eine Ausübung für ihn aus, da er dir die Aktien auf jeden Fall um 20 Euro verkaufen kann. Je weiter der Kurs fällt und je näher der Verfallszeitpunkt der Option ist, desto wahrscheinlicher ist eine Ausübung seinerseits.

Steigt der Preis der Aktie jedoch, beziehungsweise bleibt er über deinem Ausübungpreis hast du eigentlich keinen Grund mit einer Ausübung zu rechnen.

Aktien eingebucht, ein Problem?

Kommen wir also zurück zum eigentlichen Thema: Wir haben also den Fall, dass statt dem verkauften Put nun 100 Aktien von einem beliebigen Unternehmen XYZ in unserem Besitz sind. Was hat sich dadurch alles geändert? Ist meine Prämie weg? Nein, die Optionsprämie ist nicht weg, du hast sie direkt beim Verkauf des Puts erhalten und musst sie auch nicht hergeben. Diese Prämie kannst du also getrost als Plus verzeichnen.

Wenn du Puts über ein Cash-Depot verkaufst, ändert sich mit den Aktien nun kaum etwas. Hast du den Put über ein Margin-Depot verkauft, ändert sich deine Margin leicht zum negativen. In einem Margin-Depot kannst du theoretisch 4x so viele Aktien kaufen, als du Cash am Depot liegen hast. Dies bedeutet, dass für eine Aktienposition lediglich 25 Prozent an Sicherheitsleistung hinterlegt werden müssen. Im Vergleich zum verkauften Put ist dies eine leichte negative Entwicklung, die meisten Investoren werden diese Änderung in der Sicherheitsleistung aber kaum bemerken, wenn sie sich an ein angemessenes Risiko-Management halten.

Ergeben sich also größere Nachteile wenn ich Aktien anstatt der verkauften Puts im Depot habe? Nein!

Das wichtigste ist in so einer Situation einfach ruhig zu bleiben und die ganze Sache nüchtern zu betrachten. Je nach Laufzeit könnte es sogar ein Segen sein, wenn vorzeitig ausgeübt wird.

Ergibt sich vielleicht sogar ein Vorteil?

Der Vorteil, welcher sich aus einer vorzeitigen Ausübung ergibt, ist folgender: Du kannst die Optionsprämie sofort komplett als Gewinn verbuchen. Würde erst am Ende der Laufzeit eingebucht werden, müsstest du dafür noch etwas Zeit mitbringen. Das Ergebnis wäre dann aber das gleiche. Du hast 100 Stück Aktien eingebucht bekommen und die ganze Optionsprämie dafür behalten. Somit sparst Du Zeit und kannst Dir überlegen was du nun mit dem Aktienpaket anstellen willst. Du hast Zeit gewonnen in der du dich weiter bezahlen lassen kannst. Wie du sicher im Börsenlexikon gelesen hast setzt sich der Optionspreis unter anderem aus dem Zeitwert zusammen.

Je länger du eine verkaufte Option laufen lässt, desto schneller schwindet der Zeitwert der Option. Diese Tatsache ist es was Optionshändlern auf der ganzen Welt einen kleinen Vorteil verschafft. Wenn der Zeitwert schwindet, wird die Option billiger und ich kann sie mit einem Gewinn wieder schließen (zurückkaufen). Werden mir Aktien nun schon lange vor dem Laufzeitende eingebucht, so wird mir der Zeitwert quasi geschenkt. Ab diesem Zeitpunkt muss ich mir eben wieder Gedanken machen, wie ich mit den Aktien weiter machen möchte, aber das ist alles kein Problem.

Verschiedene Möglichkeiten wie man darauf reagieren kann

Eine Möglichkeit wäre es die Aktien zu behalten, bis der Kaufpreis abzüglich der Optionsprämie wieder erreicht ist. Wenn dieser Fall eintritt verkauft man das Aktienpaket einfach wieder am Break-Even und ist diese Last los. Man könnte natürlich hierzu auch gleich eine Limit-Order mit dem Orderzusatz „GTC“ erstellen, damit man nicht dauernd vor dem Bildschirm hocken muss. Natürlich könnte man die Aktien auch sofort wieder mit Verlust verkaufen, dies als Verlust verbuchen und weiter machen wie bisher. Wenn man hunderte oder gar tausende Optionen pro Jahr handelt, wird so etwas einfach als kurzer Drawdown gewertet.

Die Aktien behalten fällt in diesem Fall komplett weg, da dies ja ungewollt eingebuchte Aktien sind. Man will sie einfach nicht haben, und somit muss ich mir andere Vorgehensweisen überlegen.

„Covered“ Calls könnten so eine Möglichkeit für eine Vorgehensweise sein. Da ich etwas Zeit gewonnen habe, könnte ich auf die eingebuchten Aktien Calls verkaufen. Die eingenommen Prämie verbuche ich jedes Mal wieder als Gewinn. Dies mache ich zum Beispiel so lange bis der Aktienkurs wieder über meinen Kaufpreis gestiegen ist und ich mit Gewinn verkaufen kann. Ich könnte auch einfach so lange Calls darauf verkaufen, bis mir die Aktien durch die Ausübung des Calls wieder ausgebucht werden. Dies ist der klassische Vorgang bei der „Wheel-Strategie“, welche in seperaten Texten noch genauestens beschrieben wird. Je nachdem wie schnell ich die Aktien los werden möchte, desto höher oder tiefer setze ich den Ausübungspreis des Calls an. Je tiefer der Ausübungspreis des Calls desto höher die Chance, dass sie mir wieder ausgebucht werden und desto mehr Prämie bekomme ich auch für die Option.

Aktien rollen?

Möchte ich die Aktien nicht einmal für die Dauer der Calls besitzen gibt es noch die Möglichkeit die Aktien wieder in einen Put zu rollen. Ich nutze diese Möglichkeit seit einigen Jahren hin und wieder sehr gerne, wenn ich glaube, dass ich für meine Aktien noch einen günstigeren Preis erhalten kann. Der Vorgang ist quasi der gleiche wie jener, wo ein Put weiter gerollt wird. Der einzige Unterschied liegt darin, dass ich Aktien mit Verlust verkaufe, anstatt den Put mit Verlust zu schließen und einen neuen Put mit größerer Prämie wieder zu eröffnen.

Jeder der schon einmal einen verkauften Put weiter gerollt hat, wird auch das problemlos hinbekommen. Für alle Anderen erkläre ich den Vorgang sehr gerne:

Wir haben also die 100 Stück Aktien zum Preis von 20 Euro im Depot. Der momentan Aktienpreis liegt bei 19 Euro. Wir verkaufen die Aktien mit Verlust, in diesem Fall 100 Euro Verlust (1 Euro mal 100 Stück Aktien). Jetzt suchen wir uns einfach einen neuen Put der etwas weiter in der Zukunft liegt. Dazu sehen wir uns einfach die Optionskette der Aktie an und wählen dann für uns den richtigen Put aus. Angenommen wir finden einen Put mit 0,80 Euro Optionsprämie. Dies würde bedeuten, dass wir unseren Verlust decken können und auch noch etwas Profit machen. Die 0,50 Euro beim ersten Put haben wir ja zuerst auch eingenommen, somit machen wir einen Gewinn von insgesamt 30 Cent pro Anteil, also 30 Euro für alle 100 Stück Aktien.

Die Rechnung: + 0,50 Euro (Optionsprämie für den ersten Put) – 1,00 Euro (Verlust durch den Verkauf der Aktien) + 0,80 Euro (Optionsprämie des zweiten Puts) = +0,30 Euro pro Stück

Du siehst, dass wir hier aus etwas negativen etwas positives gemacht haben. Jedes Szenario lässt sich irgendwie lösen, wenn man nur einen Plan dazu hat. Die genannten Möglichkeiten sind nur einige von vielen Vorgehensweisen die du dir zu Nutze machen kannst. Auch jede Kombination aus diesen Möglichkeiten wäre denkbar. Lerne am besten in jeder Situation ruhig zu bleiben und erstmal deine Möglichkeiten abzuwägen.

 

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