Fresenius Analyse vom 02.08.2019

Wettbewerbsposition und Geschäftsentwicklung der Fresenius SE & Co. KGaA

Das hessische Unternehmen Fresenius SE & Co. KGaA ist mit über 280.000 Mitarbeitern in gut 100 Ländern in weltweit führendes Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich. Der Konzern gliedert sich in vier eigenständigen Geschäftsbereiche. Die Sparte Fresenius Helios ist Europas größter privater Krankenhausbetreiber. Der Schwerpunkt von Fresenius Vamed liegt im Projekt- und Managementgeschäft von Gesundheitseinrichtungen.  Fresenius Kabi ist ein auf globaler Ebene tätiger Player, der Medizinprodukte zur Infusion und klinischen Ernährung verkauft. Das Unternehmen Fresenius Medical Care, an dem Fresenius als größter Aktionär engagiert ist, bietet weltweit Behandlungen gegen chronischem Nierenversagen an.

Zwischen den Jahren 1999 und 2018 entwickelte sich das Unternehmen Fresenius überaus erfolgreich. In diesem Zeitraum stiegen die Umsätze von 4,95 Mrd. Euro auf 33,53 Mrd. Euro und somit um 577 Prozent an. Der Nettogewinn verbesserte sich in derselben Periode von 0,203 Mrd. Euro auf 2,023 Mrd. Euro, was einer Steigerung um den Faktor 10 entspricht. Dies belegt, dass das Geschäftsmodell in den vergangenen zwei Jahrzehnten überaus überzeugen konnte.

Allerdings zeigten sich die Investoren bei der Aktie zuletzt eher verunsichert, da die Risiken bei der Beteiligung Fresenius Medical Care laut Einschätzung von Investoren und Analysten deutlich gestiegen sind.  Auch machten der Krankenhaus-Tochter Helios in Deutschland zuletzt sinkende Umsätze zu schaffen. Entsprechend gab der Aktienkurs von Ende Juli 2018 bis Ende Juli 2019 von rund 70 Euro auf 45 Euro nach. Für das laufende Geschäftsjahr prognostizierte Fresenius bei Verkündung der Q2-Zahlen einen Zuwachs von vier bis sieben Prozent. Für den währungsbereinigten Gewinn ging das Management Ende Juli aber im Mittelwert nur von einem Wert auf Vorjahresniveau aus, was insgesamt zu einer sinkenden Nettoumsatzrendite führen könnte.

Übersicht Geschäftsentwicklung (Umsatz, EBIT und Nettogewinn jeweils in Mrd. Euro)

JahrUmsatzEBITNettogewinnAnzahl Aktien (Mio.)Gewinn Aktie
201629,14,331,595472,92 €
201733,94,591,815553,25 €
201833,55,252,035563,63 €

 

Zukünftige fundamentale Entwicklung der Fresenius SE & Co. KGaA

Die langjährige Erfolgsgeschichte der Firma Fresenius wird von vielen Anlegern zunehmend infrage gestellt. Nicht umsonst tendiert der Aktienkurs von Fresenius seit Mitte 2017 in einem mittelfristigen Abwärtstrend. Entsprechend ist jetzt der Erfolgsdruck relativ hoch, dass Fresenius wieder einige Pluspunkte auf dem Frankfurter Börsenparkett sammeln wird. Zwar erwarten die Analysten für das laufende Geschäftsjahr 2019, wie auch das Konzernmanagement, eine wieder spürbare Wachstumsdynamik beim Umsatz. Allerdings steht das komplexe Geschäftsmodell hinsichtlich der Nettoumsatzrendite unter gewissem Druck. Ob sich die Profitabilität in den Geschäftsjahren 2020 und 2021, wie von den Analysten prognostiziert, tatsächlich verbessert, ist unserer Einschätzung nach keinesfalls sicher. Neben den Risiken bei Fresenius Medical Care ist das Krankenhausgeschäft  stark von der Regulierung im Gesundheitsbereich abhängig. Hier nimmt nicht nur in Deutschland der Kostendruck permanent zu, was Optimierungen auf der Ausgabenseite zunehmend erforderlich macht.

Analystenschätzungen Konsens (Quelle Finanzen.net) bezogen auf den Aktienkurs vom 19.07.2019

JahrUmsatz Mrd. € (e)Nettogewinn Mrd. € (e)Umsatzrendite (e)KGV (e)Dividende je Aktie  (e)Div.-Rendite (e)
201935,31,865,3 %14,40,811,69 %
202037,22,005,4 %13,50,861,79 %
202139,42,185,5 %12,40,911,89 %

 

Fazit und Einschätzung

Nach dem Kursrückgang in den vergangenen zwölf Monaten scheint die Fresenius-Aktie zwar optisch deutlich billiger geworden zu sein. Dennoch ist fraglich, ob im bestehenden Abwärtstrend der Boden beim Kursverlauf tatsächlich gefunden wurde. Vielmehr könnte es in den kommenden Quartalen abermals negative Überraschungen geben, weshalb unserer Meinung nach, der Zeitpunkt für einen Einstieg bei dem Titel noch zu früh sein könnte. Der Gesundheitsmarkt dürfte in Zukunft mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin nahezu stetig wachsen. Allerdings nimmt auch der Konkurrenz- und Kostendruck zu. Fresenius muss insgesamt noch unter Beweis stellen, dass die jüngsten Herausforderungen nachhaltig im Sinne der Aktionäre gemeistert werden können.

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