Deutsche Post AG Analyse vom 22.07.2019

Wettbewerbsposition und Geschäftsentwicklung der Deutschen Post AG

Mit rund 550.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Post DHL Group ein weltweit führender Logistikdienstleister, welcher in über 220 Ländern und Territorien tätig ist. Historisch ging der Konzern aus der Deutschen Bundespost hervor, welche als bundeseigene Organisation über viele Jahre hinweg defizitär arbeitete. Mittlerweile ist die Gesellschaft auch in internationalen Märkten wie den Vereinigten Staaten ein wichtiger Player, welcher unter anderem auch Dienstleistungen wie Dialogmarketing, Outsourcing-Lösungen und Kontraktlogistik anbietet. An dem ehemaligen Staatsunternehmen ist die Bundesrepublik Deutschland über die KfW Bankengruppe immer noch indirekt mit 20,5 Prozent beteiligt.

Insgesamt ist das Unternehmen im deutschen Postgeschäft immer noch der zentrale Akteur. Allerdings geht das Volumen der Briefe permanent zurück, weshalb hier die Umsätze im ersten Quartal 2019 gegenüber der Vorjahresperiode um 3,6 Prozent schrumpften. Mit einer drastischen Portoerhöhung steuerte das Unternehmen diesem Trend zuletzt entgegen. Allerdings dürfte in Zukunft das Briefvolumen aufgrund der immer stärker werdenden digitalen Kommunikation weiter abnhemen. Andere Bereiche wie das Paket- und Expressgeschäft gelten als klassische Wachstumssektoren und sind daher für die Unternehmensentwicklung von besonderer Bedeutung.

Grundsätzlich geht von dem wachsenden weltweiten Online-Handel Rückenwind für die Deutsche Post AG aus. Allerdings muss sich auch hier der Konzern einem zunehmenden Wettbewerbsdruck stellen. Auf dem heimischen Markt sind unter anderem Hermes, DPD und GLS nicht zu unterschätzende Konkurrenten. Zudem gehen führende E-Commerce-Anbieter dazu über, Pakete selbst auszuliefern. So liefert Amazon in den USA bereits 48 Prozent seiner Pakete selbst aus. Ein Trend der auch in den zentralen Märkten von DHL mittelfristig zu einer Bedrohung werden könnte.

Deshalb ist das Wachstum des Gesamtkonzerns keinesfalls in der Zukunft gesichert. Vielmehr muss der Konzern seine Leistungen stetig optimieren, um seine Wettbewerbsposition behaupten zu können. Für den Kapitalmarkt ist das Thema Profitabilität von zentraler Bedeutung. Im Geschäftsjahr 2018 ging der Nettogewinn erheblich zurück, was die Aktionäre zeitweise erheblich verunsicherte.

Übersicht Geschäftsentwicklung (Umsatz, EBIT und Nettogewinn jeweils in Mrd. Euro)

JahrUmsatzEBITNettogewinnAnzahl Aktien (Mio.)Gewinn Aktie
201657,33,492,641.2412,19 €
201760,43,742,711.2292,24 €
201861,63,162,081.2371,69 €

 

Zukünftige fundamentale Entwicklung der Deutschen Post AG

Insgesamt bleiben die fundamentalen Rahmenbedingungen für den Konzern weiterhin positiv, sofern sich die Weltkonjunktur nicht überraschend deutlich abkühlt. Allerdings dürfte das Unternehmen in Zukunft unter einem tendenziell stärkeren Kostendruck stehen, was weitere Effizienzsteigerungen nötig macht. Insgesamt sind mit dem zunehmenden Einsatz von IT und künstlicher Intelligenz Verbesserungen bei der Produktivität durchaus möglich. Entscheidend ist aber, dass die Firma hier schneller als der Wettbewerb erzielt, was letztendlich großen Einfluss auf die Marge und dem Aktienkurs hätte.

Analystenschätzungen Konsens (Quelle Finanzen.net) bezogen auf den Aktienkurs vom 19.07.2019

JahrUmsatz Mrd. € (e)Nettogewinn Mrd. € (e)Umsatzrendite (e)KGV (e)Dividende je Aktie  (e)Div.-Rendite (e)
201964,42,684,2 %13,31,194,25 %
202067,03,054,6 %11,41,294,59 %
202169,33,204,6 %10,81,394,93 %

 

Fazit und Einschätzung

Für das laufende Geschäftsjahr rechnen die Analysten im Konsens mit einer deutlichen Verbesserung beim Nettogewinn. Dies ist tendenziell ein positives Signal für die weitere Entwicklung des Aktienkurses. Sollten sich die Expertenschätzungen auch in den Jahren 2020 und 2021 als zutreffend heraus, so ist die Aktie mit einem geschätzten 2021er-KGV von 10,8 Prozent attraktiv bewertet. Ebenfalls bietet die Dividendenrendite, welche deutlich über vier Prozent liegt Anreize für Investoren. Insgesamt sehen wir ein leicht positives Chance-Risiko-Verhältnis, wobei Anleger aber permanent auf die Entwicklung der Konjunktur und der Wettbewerbsposition achten sollten.

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