Deutsche Börse AG Analyse vom 22.07.2019

Wettbewerbsposition und Geschäftsentwicklung der Deutschen Börse AG

Die Gruppe Deutsche Börse ist ein sehr bedeutender europäischer Betreiber von Wertpapierhandelsplätzen wie unter anderem der Plattform Xetra, der Eurex und der Frankfurter Wertpapierbörse, welche medial über eine starke Präsenz verfügt. Im deutschen Aktienhandel ist der Konzern mit dem Xetra-System vor allem im Aktienhandel führend. Hingegen haben die vielen Regionalbörsen nur noch eine untergeordnete Bedeutung.  Am Terminmarkt kommt der Deutschen Börse vor allem beim Handel von Futures-Kontrakten unter anderem bezogen auf den DAX und dem Bund Future eine zentrale Rolle zu. Weitere Dienstleistungen erbringt der Konzern mit Clearstream bei der Abwicklung von Börsentransaktionen und Verwahrung von Wertpapieren.  Im Devisenhandel ist die Deutsche Börse mit der Plattform 360T mittlerweile ebenfalls ein wichtiger Player.

Insgesamt ist die Deutsche Börse AG in ihren Kernmärkten gut positioniert. Auch verfügt das Unternehmen über eine komplexe und zuverlässige IT-Infrastruktur, was im weltweiten Wettbewerb von großer Wichtigkeit ist. Mit einer Nettoumsatzrendite von 28,5 Prozent zählte die Firma im Jahr 2018 zu den profitabelsten deutschen Großunternehmen überhaupt. Zudem konnte das Unternehmen seine Umsätze seit der Jahrtausendwende bei kontinuierlich hohen Margen tendenziell stark steigern. Trotz einiger Dellen wie im Jahr 2009 zogen die Erlöse der Gesellschaft von 702 Mio. Euro im Jahr 2000 auf 2,89 Mrd. Euro im Jahr 2018 an.

Allerdings ist der Konkurrenzkampf in vielen Bereichen keinesfalls zu unterschätzen, was beispielsweise beim Aktienhandel deutlich wird. Hier versuchen unter anderem Player wie Cboe Europe Equities Handelsumsätze von Xetra auf sich umzuleiten. Deshalb könnte mittelfristig der Preisdruck in einigen Bereichen auf das Unternehmen steigen. Zudem bestehen regulatorische Risiken für die Gruppe Deutsche Börse, sofern eine lang geplante Börsentransaktionssteuer eingeführt wird. Diese könnte aktive institutionelle aber auch private Trader dazu veranlassen, verstärkt an anderen Marktplätzen wie den USA zu handeln, welche ohnehin über sehr vorteilhafte Konditionen verfügen.

Übersicht Geschäftsentwicklung (Umsatz, EBIT und Nettogewinn jeweils in Mrd. Euro)

JahrUmsatzEBITNettogewinnAnzahl Aktien (Mio.)Gewinn Aktie
20162,561,1080,7221936,81 €
20172,641,3690,8741904,68 €
20182,891,2330,8241904,46 €

 

Zukünftige fundamentale Entwicklung der Deutschen Börse AG

Insgesamt ist die Deutsche Börse AG stark von der Entwicklung der Handelsaktivitäten an den konzerneigenen Börsenplätzen abhängig. Aufgrund der global hohen Vernetzung der  Finanzmärkte könnten daher weltweite Finanzkrisen die Umsatz- und Margenentwicklung des Unternehmens belasten. Zudem bestehen Risiken, dass der technologische Wandel, welcher auch im Finanzbereich stattfindet, zu gewissen Verlusten von Marktanteilen führt. Die bereits erwähnten Konkurrenzsituationen und regulatorische Aspekte sind ebenfalls potenzielle Risiken. Dennoch ist das Unternehmen tendenziell gut aufgestellt, um auch in der Zukunft hohe Gewinne zu erwirtschaften. Aufgrund der hohen Margen, müsste der Konzern aber sehr starke Umsatzverluste verzeichnen, bevor das Unternehmen nicht mehr profitabel arbeiten könnte. Dieses Szenario ist derzeit als extrem unwahrscheinlich einzustufen. Insgesamt trauen die Analysten der Gesellschaft bei einer normalen Marktentwicklung im laufenden Jahr, aber auch in den Jahren 2020 und 2021 spürbare Umsatz- und Gewinnsteigerungen zu.

Analystenschätzungen Konsens (Quelle Finanzen.net) bezogen auf den Aktienkurs vom 19.07.2019

JahrUmsatz Mrd. € (e)Nettogewinn Mrd. € (e)Umsatzrendite (e)KGV (e)Dividende je Aktie  (e)Div.-Rendite (e)
20193,021,0534,7 %21,62,942,29 %
20203,201,1836,9 %19,73,172,46 %
20213,391,2837,8 %18,23,402,64 %

 

Fazit und Einschätzung

Mit einem geschätzten 2019er-KGV von 21,6 ist die Aktie der Deutschen Börse kein echtes Schnäppchen. Auch liegt die Dividendenrendite von 2,29 Prozent nicht auf einem Spitzenniveau beim DAX. Insgesamt ist die Bewertung der Aktie vergleichsweise hoch, da viele Analysten und Investoren an einen Fortgang der Wachstums- und Erfolgsstory der Deutschen Börse glauben. Insgesamt sehen wir hier aber Wettbewerbs- und regulatorische Risiken, weshalb wir bei dieser Aktie maximal nur ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis sehen. Aufgrund der zuletzt positiven mittelfristigen Kursentwicklung des Wertpapiers stufen wir den Titel auf „Halten“ ein.

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