Deutsche Bank AG Analyse vom 25.06.2019

Wettbewerbsposition und Geschäftsentwicklung der Deutschen Bank AG

In der deutschen Nachkriegsgeschichte galt die Deutsche Bank über Dekaden hinweg als ein sehr angesehenes Finanzinstitut mit einer erfolgreichen Entwicklung. Mit vielen Firmenbeteiligungen war das Geldhaus eng mit der deutschen Wirtschaft verflochten und konnte unter anderem dank für vieler Aufsichtsratsposten einen starken Einfluss auf die Entwicklung vieler Großkonzerne in der Bundesrepublik ausüben. Ab den 1990er-Jahren gab es bei dem Frankfurter DAX-Konzern massive Bestrebungen auf internationalem Niveau eine führende Stellung im Investmentbanking einzunehmen, was aber spätestens mit dem Eintreten der Lehmankrise in den Jahren 2008 und 2009 zunehmend scheiterte. In den vergangenen zehn Jahren konnte sich die Deutsche Bank niemals nachhaltig vom Lehman-Schock erholen und hat mit zahlreichen Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen. Auch stehen die Hessen bereits seit Jahren im Visier vieler Finanzbehörden, welche bereits mehrmals nicht unerheblich Bußgelder gegen die Deutsche Bank verhängten.

Aktuell gilt die Deutsche Bank als ein Institut, welches aufgrund zahlreicher rechtlicher Verfehlungen negative Schlagzeilen schrieb und somit massiv an Reputation verlor. Hierzu trugen auch viele kritische Medienberichte bei. Bislang konnten Bemühungen, einen nachhaltigen Kulturwandel zu vollziehen, in der Öffentlichkeit nicht das Image entscheidend verbessern. Auch gilt die Deutsche Bank nicht als Impulsgeber bei der Digitalisierung der Finanzindustrie. Vielmehr hinkt das Institut zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung vielen Trends hinterher.

Die zahlreichen Vorstandswechsel verfehlten eine positive Wirkung. Auch belegt die Aktienkurs Entwicklung, wie negativ die Lage bei der Deutschen Bank bei den Investoren eingeschätzt wird. Markierte die Aktie am 14.05.2007 bei  108,14 Euro ein Allzeithoch, so wird das Papier derzeit rund um die Marke von 6 Euro gehandelt. Damit erlitten die Aktionäre einen Verlust von weit über 90 Prozent.

Übersicht Geschäftsentwicklung (Umsatz, EBIT und Nettogewinn jeweils in Mrd. Euro)

JahrGesamtertragEBITNettogewinnAnzahl Aktien (Mio.)Gewinn Aktie
201532,57– 6,10–  6,791379– 5,06 €
201628,63– 0,81– 1,401379– 1,21 €
201725,92+ 1,23– 0,752066– 0,53 €
201824,79+ 1,33+ 0,272065-0,01 €

 

Zukünftige fundamentale Entwicklung der Deutschen Bank AG

Im vergangenen Geschäftsjahr 2018 konnte die Deutsche Bank erstmals nach vielen Verlustjahren einen kleinen Nettogewinn ausweisen, allerdings ist die Deutsche Bank damit noch lange nicht über den Berg. Insgesamt bestehen weiterhin viele bekannte Rechtsstreitigkeiten, welche sich auch in der Zukunft negativ auf das Ergebnis und die Reputation der Bank auswirken könnten. Auch ist weiterhin unklar, ob sich die Deutsche Bank erfolgreich mit Ihrem Geschäftsmodell in den einzelnen Märkten behaupten kann. Zwar ist der DAX-Konzern im Heimatmarkt Deutschland immer noch das führende Geldhaus. Allerdings ist die Konkurrenz mit dem öffentlichen Sparkassensektor aber auch den Volksbanken traditionell hoch. Zudem gibt es immer mehr Fintechs, welche erfolgreich Kunden bei den Frankfurtern abwerben könnten. Auch könnte bei einer neuen Finanzkrise ein erneuter Abschreibungsbedarf auf zahlreiche Wertpapiere und Derivate bestehen, welche sich im Besitz der Bank befinden. In den vergangenen Jahren gab zwar mehrmals optimistische Äußerungen seitens diverser Vorstände zur künftigen Entwicklung der Deutschen Bank, allerdings stellten diese sich im Nachhinein kaum als zutreffend heraus.

Analystenschätzungen Konsens (Quelle Finanzen.net) bezogen auf den Aktienkurs vom 25.06.2019

JahrErtrag Mrd. € (e)Nettogewinn Mrd. € (e)Umsatzrendite (e)KGV (e)Dividende je Aktie  (e)Div.-Rendite (e)
201924,540,994,0 %13,40,162,49 %
202025,001,556,2 %8,80,213,37 %
202125,522,058,0 %6,70,284,50 %

 

Fazit und Einschätzung

Für die kommenden Jahren sind die Analysten aktuell optimistisch was die Nettogewinnentwicklung bei der Deutschen Bank betrifft. Allerdings sehen wir diese Schätzungen skeptisch, da die Deutsche Bank in der Vergangenheit oftmals die Expertenschätzungen verfehlte. Auch der Buchwert, welcher für Ende 2019 auf 30 Euro je Aktie von den Analysten taxiert wird, ist mit erheblicher Vorsicht zu genießen. Insgesamt besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Deutsche Bank hier weitere  Abschreibungen vornehmen muss, beziehungsweise weitere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten zu bilden hat. Sollte die Deutsche Bank ein weiteres Mal eine Kapitalerhöhung vornehmen, könnte dies auf dem aktuellen Kursniveau zu einer weiteren massiven Verwässerung führen, was letztendlich den Aktienkurs erheblich unter Druck setzen dürfte.

Trotz des massiven Kursrückgangs ist die Aktie bei näherer Betrachtung eine extrem spekulative Anlage. Müsste der Staat bei dem Institut unterstützend eingreifen, droht den Aktionären ebenfalls eine massive Verwässerung. Mit einem Börsenwert von 12,9 Milliarden Euro ist die Aktie auch längst kein Schwergewicht mehr. Gegenüber Branchenführern wie JP Morgan Chase (Marktwert 317,2 Mrd. Euro) und der Bank of America (Marktwert 241,4 Mrd. Euro) ist die Marktkapitalisierung eher sehr bescheiden. Zudem droht der Deutschen Bank der Abstieg aus dem DAX.

Insgesamt ist die Deutsche Bank ein sehr spekulatives Investment mit einem weiterhin signifikanten Verlustrisiko. Sicherlich kann die Aktie im Rahmen einer technischen Gegenreaktion sicherlich kurzfristig deutlich steigen. Allerdings ist eine nachhaltige Trendwende beim Aktienkurs nicht für uns in Sichtweite.

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