Covered Calls

Covered Calls verwenden, während du Urlaub machst?

Eines der Probleme, die aktive Investoren haben, ist es weiter Geld zu verdienen während sie im Urlaub sind. Grundsätzlich muss man sagen, dass der Urlaub eigentlich dazu da ist um einmal Abstand zu all den Zahlen zu bekommen. Man könnte aber auch argumentieren, dass sich ein Investor versucht ein Leben aufzubauen, von dem er keinen Urlaub mehr benötigt.

Macht es also Sinn kurz vor dem Urlaub ein paar „Trades“ aufzusetzen? Zuerst muss man sich klar werden wo die Ziele eines jeden Investors liegen. Mein persönliches Ziel ist es mit relativ wenig Aufwand das meiste aus meinem Kapital heraus zu holen. Das Risiko sollte dabei aber immer im Blick behalten werden. Ich nutze gerne eine Strategie, welche sich „The Wheel of Fortune“ nennt. Dazu gehört auch das Verkaufen von Covered Calls auf meinen Aktienbestand.

Egal ob Du diese Strategie verwendest oder nicht, es kann Sinn machen über diese Vorgehensweise nachzudenken, wenn man während des Urlaubs ein paar Euro zusätzlich verdienen möchte. Dabei ist es egal wie lange der Urlaub dauert, da wir das Ablaufdatum der Option frei wählen können.

Kenne dein Ziel

Wie schon geschrieben: Um zu wissen ob es für dich Sinn macht vor dem Urlaub Optionen zu eröffnen oder nicht, solltest du ganz genau wissen, welche Ziele du mit deinem Investmentansatz verfolgst. Zum Beispiel könnte man vor einem Urlaubstrip auch ganz leicht Puts auf Aktien verkaufen, die man als langfristiges Investment kaufen möchte. So kann man auch während des Urlaubs Optionsprämien generieren und sich für die Zeit der Option „bezahlen“ lassen. Wichtig ist dabei zu wissen zu welchem Preis man die Aktien haben möchte. Über diesem Aktienkurs würde ich keine Puts verkaufen, da man während des Urlaubs meist keine Zeit oder vielleicht gar keine Möglichkeit hat die Positionen zu beobachten. Auch sollte man den Urlaub genießen und auch, falls man die Möglichkeit des Monitorings hätte, nicht ständig auf die Zahlen schielen.

Gerade das Ziel beim Schreiben von Covered Calls sollte man kennen. Will der Investor seine Aktien schnell zu einem guten Preis verkaufen? Will er sie behalten aber nur eine kleine Prämie zusätzlich kassieren? Will er nur einen Teil seiner Aktien verkaufen? Oder hat er bereits ein langfristiges Gewinnziel im Blick und möchte nicht unter dieser Kursmarke verkaufen? Auch hier machen sich Covered Calls ganz gut.  Wenn der Investor weiß, was sein Ziel ist kann er die, für sich, perfekte Handlung noch vor dem Urlaub ausführen, um den Zeitwert über die Ferien zu nutzen.

Ziel: Aktien nicht verkaufen

Möglicherweise möchte der Investor seine Aktien nicht verkaufen, während er sich auf irgendeiner Insel befindet. Um seine Aktien zu behalten, sollte er einen prüfenden Blick auf den Chart werfen und sich vergewissern, dass sich der Kurs nicht gerade in einem intakten Aufwärtstrend befindet. Sollte der Aufwärtstrend bestehen könnte es eine schlechte Idee sein Calls auf den Bestand zu verkaufen, wenn man die Papiere behalten will. Man könnte aber zumindest auf einen Teil der Anteile Calls verkaufen um etwas Prämie zu generieren, den Großteil der Aktien rührt man dabei nicht an. Sollten die Calls wirklich ausgeübt und somit die Aktien verkauft, kann man später möglicherweise immer noch über tiefere Puts wieder einsteigen. Dabei ist aber zu beachten, dass realisierte Gewinne in diesem Jahr versteuert werden müssen.

Befindet sich die Aktie in einem Seitwärts- oder sogar einem Abwärtstrend kann es großen Sinn ergeben Covered Calls zu schreiben. Wenn man die Aktien nicht abgeben möchte, würde sich anbieten den Ausübungspreis so zu wählen, dass er sich möglichst über einer Wiederstands-Zone oder sogar über dem 52-Wochen-Hoch befindet. Das Verfallsdatum könnte so gewählt werden, dass man sicher wieder zu Hause ist, wenn die Option verfällt. Somit könnte man möglicherweise noch reagieren, falls die Aktie wirklich so weit angestiegen sein sollte. Wenn sich der Verfallstermin nach dem Urlaub noch ein paar Wochen in der Zukunft befindet ist die Chance auf Ausübung auch relativ gering.

Aktienpreise schwanken. Sie steigen für gewöhnlich nicht in einem großen Ruck nach oben. Eine Ausnahme dazu kann die Veröffentlichung der Quartalszahlen darstellen. Diese gilt es hierbei zu vermeiden. Gleichzeitig würde ich raten eine automatische Rückkauf-Order zu platzieren, wenn der Preis nach unten gehen sollte. Dies sichert deinen Gewinn der Optionsprämie ab. Dazu einfach auf Option schließen klicken, den gewünschten Limit-Preis eingeben und mit dem Orderzusatz „GTC“  die Order platzieren.

 

Ziel: Es ist dem Investor egal, ob die Option ausgeübt wird

Die beste Ausgangslage. Wenn es dem Investor egal ist, ob er seine Aktien in diesem Zeitraum verkaufen muss, könnte man sich einfach einen Strike-Preis (Ausübungspreis)  suchen, der zu einem passt. Dabei wählt man einen beliebigen Verkaufspreis und prüft die Optionsprämien. Nehmen wir an ich fahre 2 Wochen in den Urlaub und möchte Calls auf meine Adidas-Aktien verkaufen, um ein klein wenig Geld nebenbei zu machen. Ob meine Aktien verkauft werden oder nicht ist mir dabei egal, da ich sie günstiger eingekauft habe. Ich kann also nur positiv aussteigen.

Der aktuelle Aktienkurs befindet sich bei ungefähr 263 Euro. Der nächst beste Verfallstermin ist 31 Tage entfernt, ich bin also beim Verfall schon wieder zu Hause angekommen. Die Aktie befindet sich in einem Aufwärtstrend, aber das ist mir in diesem Fall ja egal. Das letzte Hoch befindet sich bei ungefähr 269 Euro. Hier setze ich zum Beispiel meinen Call-Strike an.  Laut Optionskette aus der TraderWorkStation (kurz: TWS) gibt es bei 270 einen Ausübungspreis.

Für diesen Call-Strike würde ich 348 Euro bekommen. Keine schlechte Rendite dafür, dass ich eigentlich im Urlaub bin und mir die Ausübung egal ist. Verfällt die Option bei einem Aktienkurs unter 270 habe ich ganz einfach 348 Euro verdient. Verfällt die Option bei einem Aktienkurs über 270 werden meine Aktien verkauft (in diesem Fall mit einem Kursgewinn, da ich sie günstiger eingekauft habe), zusätzlich behalte ich aber auch die Optionsprämie von 348 Euro. Dieses Beispiel stellt ein Szenario mit nur 100 Aktien dar. Natürlich könnte ich das auf meinen gesamten Aktienbestand anwenden, oder jedoch nur einen Teil der Aktien verwenden, je nach Belieben.

In diesem Fall ist mir auch die Veröffentlichung der Quartalszahlen egal, da ich nicht darauf aufpassen muss, dass mir die Aktien ausgebucht werden. Eine sehr entspannte Situation. Auch muss ich nicht zwingend eine automatische Rückkauf-Order platzieren. Dies kann ich aber natürlich tun, wenn ich es möchte.

Ziel: Aktien eher verkaufen als behalten

Wenn das Ziel des Investors es ist, die Aktien ohnehin zu verkaufen, aber er noch etwas mehr Geld dafür haben möchte gibt es natürlich immer noch die Möglichkeit einfach eine Limit-Order (Überblick Orderarten) zu platzieren. Ob diese abgeholt wird oder nicht wird man aber erst später erfahren. Um weiteres Einkommen zu erzeugen, mit dem Ziel die Aktien ohnehin irgendwann zu verkaufen könnte der Investor den Call-Strike „am Geld“ oder sogar „im Geld“ wählen. Dies bedeutet, dass der Call-Strike gewählt wird der sich sehr nahe am aktuellen Aktienkurs befindet. Der Call mit dem Strike-Preis 265 bringt aktuell ungefähr 6 Euro pro Aktie, also 600 Euro pro Optionskontrakt.

Je geringer Du den Ausübungspreis wählst, desto größer ist die Chance dass deine Aktien am Ende der Laufzeit verkauft werden. Gleichzeitig verdienst du mehr an der Optionsprämie. Sollte die Aktie also doch wieder im Kurs fallen kannst du die komplette Prämie und deine Aktien behalten und wartest einfach auf den nächst besten Verkaufszeitpunkt. Du könntest natürlich, wenn Du wieder zu Hause bist, weitere Calls auf deinen Bestand schreiben. Was man aber auch nicht vergessen darf: Je geringer der Ausübungspreis, desto weniger Kursgewinn machst Du bei Verkauf, bzw desto weiter rückst du beim Kurs in den Verlust (wenn du die Aktien nicht günstig genug gekauft hast). Große Teile davon werden zwar mit der Optionsprämie ausgeglichen, allerdings könnte das eventuell steuerliche Nachteile haben.

Zusammenfassung

Wenn der Investor vor seinem Urlaub weiß, welches Ziel er mit seinen Aktien verfolgt, kann er diese oder andere Vorgehensweisen nutzen um auch in seiner Abwesenheit Einkommen zu erzeugen. Zu beachten sind mögliche Quartalsberichte. Befindet sich der Aktienkurs in einem Aufwärtstrend und will man die Aktien behalten, sollte man es tunlichst vermeiden über den Quartalsberichts-Zeitraum Optionen zu schreiben.

Auch Dividenden-Termine können beachtet werden. Diese können das Einkommen in der Abwesenheit auch zum positiven oder negativen verändern. Möglicherweise will man die nächste Dividende noch mitnehmen. Gerade Short Calls können über den Ex-Dividenden-Tag auch etwas tricky werden. Aber dazu in einem anderen Text mehr.

Der Zeitpunkt für den Verfallstermin sollte eher etwas nach der Ankunft zu Hause gewählt werden, um gegenfalls noch reagieren zu können, je nachdem welche Strategie man mit seinen Aktien nun verfolgt. Wichtig ist, dass der Zeitwert über die Urlaubstage entspannt abnehmen kann und man somit damit eine kleine Einnahme verzeichnen könnte.

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