Put-Strategien

Aktien über Alternative kaufen

Jeder Investor sollte diese Art des Investments kennen lernen. Über den Verkauf von Put-Optionen lassen sich Aktien langfristig zum gewünschten Preis einkaufen. Der Umweg über die Optionen bringt dabei mehrere Vorteile, die ich in einem anderen Text bereits kurz angesprochen habe. Die für mich wichtigsten Vorteile sind die Optionsprämie, welche ich immer behalten darf, und die Flexibilität zu rollen, wenn ich mit dem Kauf doch noch etwas warten möchte.

Ich habe mir angewöhnt meine Aktien so gut wie immer über den Verkauf von Put-Optionen zu kaufen. Das klingt erst mal kompliziert, ist es aber nicht. Wenn ich eine Put-Option verkaufe habe ich die Pflicht 100 Stück der zugrunde liegenden Aktie zu kaufen, wenn sich der Kurs bis zum Laufzeitende unter meinem gewählten Ausübungspreis befindet. Dies kann auch während der Laufzeit passieren, je näher das Verfallsdatum rückt, desto wahrscheinlicher ist aber eine Ausübung. Im Umkehrschluss bedeutet das: Je länger der Zeitraum bis zum Verfallsdatum ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass mir Aktien eingebucht werden.

Wieso nicht einfach eine Limit-Order setzen?

Ich könnte natürlich auch einfach eine Limit-Order setzen und warten bis mir die Aktien zum gewünschten Preis ins Depot eingebucht werden. Wer garantiert mir aber dass meine Limit-Order erreicht wird? Dass mein Ausübungspreis erreicht wird garantiert mir beim Put-Verkauf auch niemand, aber das stellt kein Problem dar, wie wir später noch einmal besprechen werden.

Die Limit-Order genießt zwar zurecht einen guten Ruf unter den Order-Arten, aber es könnte sehr frustrierend sein, zuzusehen, wie der Kurs kurz vor deinem Limit umdreht und du die Aktie wieder nicht bekommst. Selbst wenn dein Preis erreicht wird, könnte es sein, dass die Transaktionskosten höher sind im Vergleich zum Aktien-Kauf über eine Put-Option.

Der Nachteil der Optionen ist, dass Du immer Aktienpakete von 100 Stück kaufst oder verkaufst. Mit einer Limit-Order hast du komplett freie Wahl wie viele Aktien zu einkaufen möchtest.

Aktie läuft auch beim Put-Verkauf weg?

Selbstverständlich könnte es auch passieren, dass dir deine Aktien nach dem Verkauf einer Put-Option weg laufen. Du hast aber für den Verkauf eines Puts eine Optionsprämie erhalten, die du in jedem Fall behalten darfst. Die Prämie stellt in vielen Fällen eine gute Einnahmequelle dar. Aus diesem Grund würde ich das nicht als Nachteil empfinden. Wenn der Kurs der Aktien steigt, sinkt der Wert deiner Option, somit kannst du relativ schnell die Option mit Gewinn zurück kaufen. Wenn sich der Kurs wieder deinem gewünschten Kauf-Preis nähert kannst du den Vorgang ja sehr leicht und beliebig oft wiederholen.

Aktienkurse schwanken, wie wir wissen, und zwar teilweise sehr stark in beide Richtungen. Wenn ich diesen Vorgang einige Male pro Jahr wiederholen kann, bleibt mir trotzdem eine sehr nette Rendite übrig. Wir sprechen hier nicht von 3-4 Prozent pro Jahr, nein, mit diesem Vorgang können wir in vielen Fällen zwischen 10 und 20 Prozent Rendite auf das eingesetzte Kapital schaffen. In manchen Fällen sogar mehr.

Es könnte natürlich passieren, dass Dir die Aktie in einem Schwung nach oben weg läuft, und du die Möglichkeit für einen weiteren Put in deinem Preis-Segment nicht mehr hast. Dies ist zwar bitter, aber das kann dir auch mit einer Limit-Order passieren, wo du nicht fürs Warten bezahlt wirst. Mit dem Short-Put (Verkauf einer Put-Option)  hast du bereits deine Kostenbasis fürs nächste Mal gesenkt.

Kostenbasis schon vor dem Aktienkauf gesenkt

Dadurch, dass du die Optionsprämie behältst, kannst du diese ja bereits im Kopf mit deinem gewünschten Aktienpreis verrechnen. Dazu ein Beispiel: Nehmen wir an ich möchte 100 Stück Daimler Aktie (aus welchem Grund auch immer) bei 46 Euro pro Stück kaufen. Der Kaufpreis würde also 4600 € betragen.

Ich öffne die TWS (Trader Work Station) und lasse mir beispielsweise den Jahres-Chart der Daimler Aktie anzeigen.

Links oben sehen wir dass die Aktie gerade zu 49,13 pro Anteil gehandelt wird. Ich könnte jetzt einfach eine Limit-Order bei 46 einstellen, mit der Ungewissheit, ob diese Order überhaupt irgendwann einmal abgeholt werden sollte. Also verkaufe ich lieber einen Put beim Ausübungspreis (Strike-Preis) 46.

Die einfachste Optionskette, die man sich dazu vorstellen kann, sieht aktuell folgendermaßen aus:

Der Verfallszeitpunkt liegt hier 44 Tage in der Zukunft. Ich lasse mich also für 44 Tage dafür bezahlen, dass ich jemand anderen verspreche 100 Aktien zu kaufen, wenn die Option unter dem Kurs von 46 Euro pro Stück verfällt. Dafür bekomme ich in diesem konkreten Fall 0,55 € pro Aktie oder 55 Euro pro Optionskontrakt.

Steigt die Aktie nun weiter, oder verbleibt sie einfach über dem Ausübungspreis kann ich die 55 € behalten und habe somit eine nette kleine Rendite von 55/4.600*100= 1,1 % in 44 Tagen erreicht. Meine Kostenbasis beträgt 4.600-55=4.545€ (bei Annahme, dass ich das nächste Mal bei 46 Euro kaufe). Würde ich den Vorgang einfach wiederholen ließe sich der Durchschnittskurs beliebig lange senken, ohne die Aktien vielleicht jemals gekauft zu haben. So wird Einkommen gebildet.

Fällt der Aktienkurs unter meinen Ausübungspreis bei 46, kaufe ich die Aktien bei 46€ pro Stück. Dies war ja mein ursprüngliches Ziel, also bin ich glücklich mit dem Kauf. Gleichzeitig darf ich aber auch hier die Prämie von 55 Euro behalten. Meine Kostenbasis beträgt wie schon erwähnt 4.545 €. Mein Durchschnittskurs beträgt also 45,45€ pro Stück.

Strategisch vorgehen kann sich also lohnen

Im Beispiel sieht man, dass sich der Kauf von Aktien über den Verkauf von Put-Optionen durchaus lohnen kann. 1 Prozent Rendite in 44 Tagen kann sich sehen lassen, wenn man es mit herkömmlichen Sparprodukten oder ähnliches vergleicht. Könnte ich dieses Ergebnis aufs Jahr aufrechnen, komme ich auf über 9 Prozent Rendite in 365 Tagen.  Die ursprüngliche Idee war 100 Aktien zu kaufen. Die Änderung der Vorgehensweise hat uns die Möglichkeit zur Kostensenkung bereits vor dem Kauf der Aktien gegeben.

Ich nutze diese Vorgehensweise nun schon seit vielen vielen Jahren, und erfreue mich jedes Mal wieder, dass etwas so simples so gute Ergebnisse liefern kann.

Menü